Monday, 18. May 2009 - Startseite

Schöne Grüße von Wilbär


(red) Am Freitag abend, den 15. Mai, war Wilbär nach der heimlichen Abreise aus Stuttgart wohlbehalten in seiner neuen Heimat gelandet und hatte erstmals seine Tatzen auf schwedischen Boden gesetzt. Nach einer Nacht im geschlossenen Innengehege sowie einem weiteren Tag und einer Nacht in einem kleinen Außengehege ist er nun – früher als geplant – bereits in eines von zwei großen Freigehegen gewechselt. Der Grund: Im kleinen Eingewöhnungsbereich gab es für den selbstbewussten, neugierigen Burschen viel zu schnell nichts Neues mehr zu entdecken. Doch am meisten fehlte ihm hier offensichtlich eines: ein geeignetes „Plantschbecken“ mit kühlem Nass.

   
Wilbär auf seiner Entdeckungstour in seiner neuen Heimat in Schweden.    
Foto: Wilhelma    
     
   
     
Das Wilbär seinen eigenen Kopf – um nicht zu sagen Dickschädel – hat, wissen seine Stuttgarter Tierpfleger schon lange. Jetzt wissen es auch seine neuen Tierpflegerinnen im Orsa Bärenpark. Denn während man sich hier eine mindestens fünf Tage dauernde Eingewöhnung in den kleineren Innen- und Außengehegen vorgestellt hatte – bei der anfangs etwas schüchternen Ewa dauerte es auch ungefähr so lange –, stellte sich Wilbär das ganz anderes vor. Anstatt sich vorsichtig und schrittweise ins neue Revier vorzutasten, war ihm das kleine Eingewöhnungsgehege schnell zu langweilig – vor allem, da ihm hier ein Wasserbecken für sein gewohntes täglich Bad fehlte. Obendrein kündigte sich sein erster Sonntag in Schweden als sehr sonniger und warmer Tag an: kein ideales Klima für einen Eisbären ohne kühlen Swimmingpool. Also entwickelten Wilbärs bisherige und neue Tierpfleger gemeinsam Plan B: Wilbär sollte früher als ursprünglich angedacht das kleinere und ruhigere der beiden großen Freigehege betreten dürfen (Im anderen ist Ewa schon seit einigen Tagen zu sehen).

Dieses Gehege mit See, Fluss, Felsen und Hängen soll später Weibchen und Jungtieren abseits vom wenig kinderfreundlichen Eisbärvater einen geschützten eigenen Lebensraum bieten. Hier würde Wilbär also mit Sicherheit seinen Entdeckerdrang besser befriedigen können, bei Bedarf trotzdem genügend Verstecke finden und vor allem: kühles Nass in Hülle und Fülle.

Die Rechnung ging auf: Wilbär nahm die Einladung sofort an, bewegte sich ohne Zögern auf den kleinen Fluss zu, stieg mit allen vier Tatzen hinein und folgte dem Flusslauf zielstrebig den Berg hinunter bis zum See, in den er augenblicklich eintauchte. Seither ist er dort kaum noch herauszukriegen, zieht selig seine Bahnen, taucht, spielt mit Ästen, klettert auf die umliegenden Felsen, schaut sich ein wenig im Wäldchen um und kehrt dann schnell wieder ins Wasser zurück. Kurzum: Hier fühlte er sich von Anfang an pudelwohl. Erst jetzt schien er in seiner neuen Heimat wirklich angekommen.

Wenn dann morgen zahlreiche Besucher zur Eröffnung der Polar World in den Park streben, werden sie also nicht nur Ewa, sondern entgegen erster Prognosen auch Wilbär sehr wahrscheinlich schon zu sehen bekommen – und wo sonst, als im großen Eisbär-Pool. Und da „Superstar Wilbär“ Kameras ja hinlänglich gewohnt ist, dürften ihn auch die schwedischen Fotografen wohl mehr unterhalten als stören.

Es sei denn, dass Wilbär sich nach dem ersten aufregenden Tag in seinem neuen Abenteuerland so müde ist, dass er sich lieber zu einem ausgiebigen Nickerchen zurückzieht.

Irgendwelche Schaufütterungen, damit die Eisbären ganz sicher zu sehen sind, haben die Park-Verantwortlichen nicht geplant: Entweder die Besucher sehen die Tiere auf der Anlage – oder nicht. Denn im Orsa Park sollen die tierischen Bewohner soweit als möglich tun und lassen, was sie wollen.

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