Samstag, 19. September 2009 - Musik

Der Unterschied hat einen Namen - "Bluesette"


Quartett "Bluesette" nennt sich die Formation, die gestern Abend auf Einladung des Cannstatter Kulturverein "`s Dudelsäckle" im Otto-Riethmüller- Haus über  den Besuchern im gut gefüllten Saal ein wohltuendes Füllhorn handgemachter Musik ausschüttete. In einer Welt, in der  Disharmonien die Aufmerksamkeit der Medien besitzen (man denke nur an den Wahlkampf), war dieses Konzert  eine Wohltat für Ohr und Herz.

   
Zwei Könner: Frank Eisele (Akkordeon) und Christian Brinkschmidt (Bass)
   
     
Katharina Wibmer an der Geige führte und moderierte witzig, charmant, aber unaufdringlich durch den Abend. Frank Eisele am Akkordeon, der ganz knitz aus dem schwäbischen Eisele als Künstlernamen einen Franco Ferraro gemacht hat, Christian Brinkschmidt (Bass) und der Gitarrist Salvatore Panuncio komplettieren das Quartett, das aus lauter gelernten Musikern besteht. Diese Instrumentalisten zeigen - jeder auf seine Art - den Amateurspielern die Grenzen auf, machen deutlich, dass Musik erlernt, studiert werden muss um notwendige Standards zu erreichen.

Leicht ging alles von der Hand - dabei tauchte man in die unterschiedlichsten musikalischen Welten ein. Der Zuhörer hatte gar keine Möglichkeit, sich auf die Stimmungen, die Melodien bei ihm auslösen, einzulassen. Da wurde munter gesprungen vom argentinischen Tango, zum Swing, vom balkanesischen 7/8 Takt zum Musettewalzer, vom Czardas zum raffinierten Sinti-Jazz.

   
    Meisterlich: Salvatore Panuncio an seiner Gitarre und die Violinistin Katharina Wibmer.
     
Lebenslust pur, vermittelten die Protagonisten mit einer jubilierenden Violine, einem Akkordeon, das  von einem Meister bedient wird, der mit flinken Fingern sein Instrument eher wie eine Geliebte  streichelt, als spielt und diesem Töne entlockt, von denen man glaubt, das Akkordeon erwidere diese Liebe. Salvatore Panuncio hat Humor, zeigt diesen m Umgang mit seiner Gitarre und fordert diese so, dass sie anfangs verstimmt, später eine Saite krachen ließ. Ein Meister am Rhythmus, ein Könner mit verwegenen Gitarrensoli und einer zu bella italia passenden Stimme, die er zum Leidwesen der anwesenden Damen nur einmal einsetzte. Taktvoll zusammen gehalten wurde das Ganze von Christian Brinkschmidt am Bass, der in einigen Soli belegte, dass er wahrlich nicht nur als "Begleiter" von Nutzen sein kann.

Als die vier Aktivisten von "Bluesette" meinten, aufhören zu müssen, hatten sie nicht mit der Hartnäckigkeit eines fachkundigen Publikums gerechnet. Gleich mehrere Male mussten die Instrumente wieder  umgeschnallt, in die Hand genommen werden, weil ein "unerbitliches" Publikum  laustark und lauthals dies forderte.
"Bluesette" tat´s gut, den Besuchern auch - und so endete ein im wahrsten Sinne des Wortes harmonischer "`s Dudelsäckle"-Abend.

Fotos/Text: Hans Peter Schneider

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