Kategorie: Mühlhausen
Datum: 2007-07-08 11:08:44
Artikel: Felderrundfahrt - Landwirte lassen sich in die Karten gucken
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| Nicht immer sind die schottischen Hochlandrinder so zutraulich - in diesem Fall ist der Lohn Gelbe Rüben. |
| Fotos: Hans Peter Schneider |
War die jährliche Felderrundfahrt der Landwirte in der Vergangenheit mehr ein Experten- und Politikertreff, stand die diesjährige jedem Bürger offen. Im Rahmen des Mühlhausener Ortsjubiläums habe man allen Bürgern die Chance geben wollen, die Vielfalt der Produktionen auf heimischer Flur kennen zu lernen, sagte der landwirtschaftliche Obmann in Mühlhausen, der Weingärtner Fritz Raith. Rund 40 Menschen hatten gestern mittag das Angebot wahrgenommen, waren auf die mit Heuballen gepolsterten Treckeranhänger geklettert, machten sich auf, fünf der neun Betriebe anzusehen, die hauptberuflich in Mühlhausen Landwirtschaft betreiben.
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| Zum Abschluss wartet eine kleine Weinprobe auf die Teilnehmer der Felderrundfahrt am Weinberg der Raith´s in der Bachhalde mit einem wunderschönen Blick auf Mühlhausen. | ||
Fritz Raith verwies auf die Mühlhausener Besonderheiten. Alle Landwirte hätten eine sehr unterschiedliche Produktpalette, andere Bewirtschaftungsweisen, so dass eigentlich nirgends Konkurrenzsituationen auftreten, man ein sehr ergiebiges Miteinander habe.
Als Erstes fuhren die Traktoren mit Ihrer menschlichen Fracht den "Sonnenhof" an - jene weitbekannte Anlaufstelle für vielseitig Interessierte. Der "Sonnenhof" liegt schon auf Remsecker Gemarkung, übt aber eine große Faszination gerade für junge Familien aus Mühlhausen aus, sagt der Senior-Chef Otto Hörr: In der Tat - auf dem "Sonnnenhof" kann man nicht nur Blumen, Gemüse, Beeren kaufen - dort kann man Feste feiern, heiraten, Geburtstage begehen - aber auch Tagungen abhalten. Dort gibt es künstlerische Aktivitäten, sehr viel Action für Kinder mit dem Indianerdorf, dem Maislabyrinth. Viele Tiere sind zu sehen, hautnah zu erleben. Schweine, Kühe, Federvieh, Hasen - "bei uns kostet dies keinen Eintritt, wie in der Wilhelma", erklärt Otto Hörr die Philosophie seines Betriebes. Weiterer Schwerpunkt auf dem "Sonnenhof". 18 eigene Pferde stehen in den Stallungen, drei Reitlehrer stehen zu Verfügung - wer will. kann sich auf´s hohe Ross setzen. Insgesamt stehen bei den Hörrs 17 Personen in den Lohnlisten.
Der Bauernhof Juzeler, der in der vierten Generation betrieben wird, hat sich vor fünf Jahren neben dem Gemüseanbau ein sehr interessantes, weiteres Standbein erschaffen. Auf den rund 20 Hektar Anbausflächen sind 40 Prozent mit Rollrasen belegt. Dreimal in der Woche wird gemäht, nach 18 Monaten ist der Rasen so weit, dass er mit der Schälmaschine zum Verkauf gerollt werden kann. Privatkunden, Landschaftsarchitekten seien die Abnehmer - so liege Juzeler Rasen beispielsweise seit dem Ende der WM im letzten Jahr auf dem Stuttgarter Schlossplatz.
Die nächste Anlaufstation war der Sperling-Hof, auf dem die Rundfahrer von Hans Sperling im Cowboy Outfit begrüßt wurden. Dort stehen 350 Mastschweine im Stall, für die das Futter vorwiegend auf eigener Flur erzeugt wird.
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| Hans Sperling, der Mühlhausener |
Interessant waren aber die schottischen Hochlandrinder, die Hans Sperling seit rund zwei Jahren auf der Weidefläche am abfallenden Hang entlang des Mussenbaches als Landschaftspfleger eingesetzt hat. 12 dieser mit einem zotteligen Fell versehenen Rinder stehen inzwsichen auf den Weiden der Sperlings, die in die Zucht eingestiegen sind und in Kürze im Mühlhausener "Stallbesen" und bei einem Hoffest das wohlschmeckende Fleisch dieser genügsamen Rasse dem Verbaucher präsentieren will. Die Tiere benötigen keinen Stall, sind das ganze Jahr im Freien und nur im Winter müsse etwas zugefüttert werden, sagt der schwäbische Cowboy Hans Sperling.
Bei Andreas Betzler, einem Neuling unter den heimischen Landwirten wurden die Interessierten mit dem Obstbaulehrgarten konfrontiert. Dort hat sich die junge Familie eingekauft, produziert ausschließlich Bio-Produkte: Äpfel, Pfirsich, aber auch Kirschen. Vertrieben wird die Ernte über Bio-Händler. Betzler erklärte, welche Spritzmöglichkeiten im Bioanbau möglich sind, mit welchen Tricks Schädlinge auf die falsche Fährte gelockt werden.
Hartmut Brust, der Mühlhausener Agraringenieur liebt es die Situation der Landwirtschaft stets in globalen Zusammenhängen darzustellen. Spargel, Blumen, Getreide, Kartoffeln, Rüben und Beeren umfassen seine Produktpalette. Er zeichnete ein positives Bild der heimischen Landwirtschaft auf. Gerade an der Preisfront habe sich manches getan -für Getreide bekomme man derzeit den Preis, der notwendig sei. Inzwischen werden sogar von Käufer Angebote gemacht, während jahrzehntelang man froh sein musste, die Produkte los zu bekommen.
Erhaltung der Landwirtschaft bedeute das Erhalten dieses gesamten Raumes, so Brust, der neben Raith Massiv auf die Gefahren hinwies, die ein geplanter Nord-Ost Ring für diesen Lebensraum bedeuteten.
Eine Visite in einem Weinberg von Fritz Raith an der Mühlhausener Bachhalde brachte den Abschluss eines ereignisreichen Nachmittags. Die Trauben seien im Reifeprozess rund vier Wochen früher dran. Es werde eine gute Qualität mit durchschnittlicher Menge zu erwarten.
Mit einer Probe der Erzeugnisse, die an den Raith´schen Weinhängen geerntet werden, endete eine sehr gelungene, informative Veranstaltung, die nur darunter litt, dass nicht mehr Bürger das Angebot der heimischen Landwirtschaft an diesem Tag angenommen hatten.
Hans Peter Schneider